Elterngeld und Vaterschaftsurlaub

Wussten Sie, dass Eltern in Norwegen im ersten Lebensjahr ihres Kindes Anspruch auf bezahlten Urlaub haben? Zehn Wochen dieser Elternzeit sind dem Vater vorbehalten, damit sich auch die Väter an der Betreuung ihrer Kinder beteiligen.

Das Elterngeld soll es den Eltern erleichtern, eine Erwerbstätigkeit mit der Kinderbetreuung zu kombinieren. Diese Regelung hat dazu beigetragen, dass Norwegen in Bezug auf Geburtenraten und Erwerbstätigkeit von Frauen zur Spitzengruppe in Europa gehört.

Die Elternzeit dauert in Norwegen 46 Wochen bei vollem Lohnausgleich (100 % Elterngeld) bzw. 56 Wochen bei 80 Prozent Elterngeld.

Sonderregelungen für Väter wirken sich aus
Schon 1977 bekamen Väter die Möglichkeit, sich die Elternzeit mit der Mutter zu teilen. Allerdings wurde diese Option Anfang der 90er Jahre nur von 2–3 Prozent der Väter genutzt.

1993 wurde eine „Vaterquote“ eingeführt, um mehr Väter zu motivieren, an der Betreuung der Kinder im ersten Lebensjahr mitzuwirken. Die Vaterquote macht heute 10 Wochen der Elternzeit aus. Wenn ein Vater diese Freistellungsmöglichkeit nicht in Anspruch nimmt, verfallen die Leistungen für diese 10 Wochen.

Norwegen ist weltweit das erste Land, in dem eine solche Regelung eingeführt wurde.

Die Ergebnisse sind eindeutig positiv. 2008 nahmen 90 Prozent der Väter die Vaterquote in Anspruch. Auch der Anteil der Väter, die sich für die Kinderbetreuung länger beurlauben lassen, nimmt zu. 2008 betreuten 16,5 Prozent der Väter ihr Kind über die Vaterquote hinaus. 2000 waren es nur 11 Prozent.

Stärkung der Vaterrolle
Mit der Vaterquote bekommen die Väter eine stärkere Beziehung zum Kind, und dies hat weit über die Elternzeit hinaus positive Auswirkungen. Beispielsweise machen Männer in Sorgerechtsverfahren in stärkerem Maße den Gesichtspunkt der Gleichstellung geltend. 2009 legte die norwegische Regierung den Bericht an das Storting über Männer, Männerrollen und Gleichstellung vor. Dies ist weltweit das erste „Weißbuch“ zu diesem Thema.

Debatte über die Aufteilung der Elternzeit
Die Diskussionen über die Elternzeitregelungen gehen weiter. Die Beauftragte für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung, Beate Gangås, hat sich dafür ausgesprochen, die Elternzeit so aufzuteilen, dass Mutter und Vater Anspruch auf je ein Drittel haben und über das verbleibende Drittel frei verfügen können. Bisher unterstützen allerdings erst wenige Parteien diese Lösung.

Es herrscht jedoch weitgehende politische Einigkeit darüber, dass die Vaterquote eine sinnvolle Maßnahme war, um mehr Männer für den Vaterschaftsurlaub zu motivieren. 2009 wurde die Vaterquote daher von sechs auf zehn Wochen ausgedehnt.